Väter Aktiv

Kampf ums Zuhause – Artikel in der Tageszeitung

Am 2.7.14 veröffentlichte die Tageszeitung den folgenden Artikel, den wir hier wiedergeben.

Der Link des originalen Artikels lautet http://www.tageszeitung.it/2014/07/02/der-kampf-ums-zuhause/ 

Wer dort im Forum mit diskutieren möchte, möge es gerne tun!20140625 Tageszeitung Väter aktiv Interview mit Kuen Michael_Seite_1

 

Michael Kuen vom Verein „Väter Aktiv“ setzt sich für die Gleichberechtigung der Elternteile nach einer Scheidung ein. In Südtirol bläst ihm immer noch scharfer Wind entgegen.

von Karin Köhl

Sie war ein Wunschkind: Voller Freude warteten Michael Kuen und seine damalige Lebensgefährtin auf die Geburt ihres Babys. Die ersten Wochen und Monate nach der Geburt waren glückliche: Um seiner Frau bei der Erziehung der gemeinsamen Tochter zur Hand zu gehen, wechselte Kuen in Teilzeitarbeit.

„Ich wollte bei der Erziehung meiner Tochter dabei sein”, erzählt der pflichtbewusste Vater. „Deshalb war es für mich logisch, dass auch ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen und nicht alle Aufgaben auf meine Frau abwälze.”

Doch bald schon schlichen sich Probleme in die Ehe der beiden ein. Vor zwei Jahren kam es zum Bruch. Die gemeinsame Tochter war damals gerade drei Jahre alt.

Für Kuen bedeutete die Scheidung von seiner Frau allerdings nicht zwangsläufig auch die Trennung von seiner Tochter. Er pocht vor Gericht auf eine gerechte Aufteilung des Sorgerechtes. Ein Doppelresidenzmodell schien ihm dabei als die beste Lösung: Dabei lebt das Kind drei Wochentage bei einem Elternteil und vier Tage bei dem anderen Elternteil. Voraussetzung für ein solches System sind naheliegende Wohnungen, damit das Kind dieselbe Schule oder Kindergarten besuchen kann.

Bislang wurde dieses Wechselmodell in Südtirol noch nicht angewandt – und auch Kuen hebt die Statistikzahlen nicht an: Vor Gericht wurde ihm das Doppelresidenzmodell nicht gewährt.

„Leider stieß ich auf unüberwindbare Hürden, obwohl ich auf vieles verzichtet und viel dafür gegeben hätte”, seufzt der mittlerweile 47-jährige Vater. Er wollte beispielsweise seiner Ex-Frau die gemeinsame Wohnung zur Verfügung stellen und sich selbst eine Unterkunft in der Nähe suchen.

Ich wollte trotz meiner Trennung den Kontakt zu meiner Tochter nicht verlieren”,

betont Kuen und schüttelt den Kopf. Am Ende hat ihm das Gericht die „Standardlösung”, wie er es nennt, aufoktroyiert: Seine Tochter sieht er einmal in der Woche und jedes zweite Wochenende.

Er ist enttäuscht: „Ich hatte wahrscheinlich, wie so viele Männer nach einer Scheidung, falsche Vorstellungen und Hoffnung.” Vonseiten des Gerichtes sei ihm eine alternative Form, die ein engeres Zusammenleben mit dem gemeinsamen Kind ermöglichen würde, nicht einmal vorgeschlagen worden, bedauert er. „Noch hat diese neue Version, die viel Leid ersparen und neue Perspektiven eröffnen würde, nicht Einzug in unser Gerichtssystem gefunden.“

Im Herbst vergangenen Jahres wurde in Südtirol der Verein „Väter aktiv – Kinder brauchen Väter” gegründet. Am Equal Pay Day, an dem Frauen für einen gerechten Lohn kämpfen, machte der Verein mit einem Infostand auf den Talferwiesen von sich reden: Sie forderten dabei einen Equal Parents Day, also eine Gleichbehandlung der Eltern bei einer Trennung – und wurden von einigen Seiten scharf attackiert.

„Vor allem vonseiten einiger Frauenbewegungen kam – unverständlicherweise – Kritik”, bedauert Kuen.

Man sieht leider, dass sich nicht nur in den Köpfen der Männer, sondern auch in den Köpfen der Frauen einiges tun muss.”

Mittlerweile sind zwei Jahre seit der Scheidung vergangen. Die erste Zeit nach der Trennung war für Kuens Tochter schwierig: „Sie hat wirklich stark darunter gelitten”, bedauert der Burggräfler. Zuletzt hin hat sich das Verhältnis zwischen ihm und seiner Ex-Frau gebessert. Auch das Zusammenleben, so gut es nach einer strittigen Trennung eben möglich ist, für alle Beteiligten leichter geworden.

Auch wenn Kuen das Doppelresidenzmodell nicht zugesprochen wurde, wird er seinen Weg weitergehen:

Ich möchte allen Vätern, die auch irgendwann in dieser Situation sind, eine Anlaufstelle und einen Halt bieten.”

Väter aktiv verstehe sich nämlich nicht als eine Bewegung gegen etwas: „Sondern wir setzen uns für mehr Rechte der Väter ein. Sie sollen bei Scheidungen nicht immer draufzahlen müssen, denn sie sind ein ebenbürtiges Elternteil – wie eine Mutter auch.”

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